Zitiert: Wie die Krise des Journalismus begann

„Aber stimmt die Vorstellung, Journalisten und Politiker als diskutierende Eliten zu betrachten, überhaupt? Das ist die klassische Vorstellung des Leitartiklers, der mit seinen Kommentaren der Politik kluge Ratschläge geben will. Aber das betraf eben nicht „die Journalisten“, sondern nur eine kleine Schicht…

Zitiert: Themen managen, ohne sie im Ansatz zu begreifen

„Viel relevanter für unser Tun erscheint mir die Trägheit, Gleichgültigkeit unserer Branche, die nur noch „Content“ zu kennen scheint, aber keine Recherche mehr, die Themen „managen“ und „choreographieren“ will, ohne sie auch nur im Ansatz zu begreifen. Wenn sich Redaktionen damit zufrieden geben, bei einem Massaker, einem Giftgasangriff, einem Flugzeugabschuss die eine Seite zu zitieren, dann die andere Seite und das Ganze abschließend als Ausgewogenheit bezeichnen – dann haben sie ihren Beruf verfehlt. Unklarheit kann Beginn einer Recherche sein, aber niemals ihr Ergebnis“

 

„Spiegel“-Korrespondent Christoph Reuter im Interview mit kress.de, 16.11.2015, (online)

Flüchtlingsdebatte: „Alles nur Theater“?

Norbert Lammert hielt die Marbacher Schillerrede und nutzte die Gelegenheit, um über aktuelle Krisenphänomene der repräsentativen Demokratie zu reden. „Macht und Ohnmacht. Alles nur Theater?“ hatte er laut  Volker Breidecker (Süddeutsche Zeitung, 9.11.2015, online) seine Rede betitelt. Volker Breidecker verwies u.a. darauf dass Lammerts Rede „nicht durchweg eine Uraufführung (war), sie folgte über weite Strecken einem Kapitel seines aktuellen Buchs. Dem minutenlang begeistert applaudierenden Publikum blieb der Zitat-Charakter der Rede verborgen.“

 

Dass die CDU in politischen Debatten bereit ist, „Theater zu spielen“, offenbarte der damalige saarländische Ministerpräsidenten und heutige Bundesverfassungsrichter Peter Müller unter Verweis auf die Debatte zum Zuwanderungsgesetz im Jahr 2002. Peter Müller: „Die Empörung hatten wir verabredet. Das war Theater, aber legitimes Theater“. (Worte des Jahres 2002, Zeit online) Weiterlesen Flüchtlingsdebatte: „Alles nur Theater“?

„Lösungsorientierter Journalismus“

„Perspective Daily“ soll sich als Online-Medium von der klassischen Berichterstattung in Medien mit ihrem Fokus auf negativen Nachrichten und Einzelschicksalen unterscheiden. Es gehe um „lösungsorientiertem Journalismus“, der auch die Handlungsbereitschaft der Bürger  erhöhen könne. Die Autoren sind ausgebildete Wissenschaftler mit journalistischer Erfahrung. Das Team stehe im ständigen Austausch mit weiteren Wissenschaftlern, Organisationen und Fachmenschen. Die solide gesellschafts- und naturwissenschaftliche Basis aller Beiträge sei fundamental für das Konzept. Die Inhalte sollen interaktiv aufgearbeitet werden.

 

Petra Schwegler, wuv.de, 27.10.2015 (mehr online)

Zitiert: Le Monde Diplomatique gegen den Strom

Es ist die Einheitsberichterstattung aller Medien, die jedes gegen die Macht der Aktionäre gerichtete gesellschaftliche Projekt diskreditiert. Wie sollte es auch anders sein, wenn die Besitzer von Sendern und Zeitungen nach Marktkonzentration streben und von gigantischen Börsenwerten profitieren? Auf lange Sicht ist es ermüdend und sinnlos, sich mit Gleichgesinnten über die unmöglichen Äußerungen der Boulevardpresse zu empören und alle Bekannten mit wütenden Tweets zu überschwemmen.Stattdessen sollte man lieber versuchen, die Hintergründe zu verstehen.

 

Serge Halimi, Le Monde Diplomatique, 10/2015 (online)