Bemerkenswert, wie die jüngste Bundestagswahl die parteipolitische Fragmentierung, ja Spaltung hierzulande zeigt und zementiert. […]
Exakt alle vier etablierten West-Parteien, also Union, SPD, Grüne und FDP, sind im Westen etwa doppelt so stark wie im Osten. Und genau das Spiegelbild dazu ergibt sich mit Blick auf die drei Parteien, die (mehr oder weniger) als Ost-Gruppierungen gelten: AfD, Linke und BSW sind im Osten ungefähr zweimal stärker als im Westen.
Teil des gesamtdeutschen Problems: Die Machtverhältnisse werden trotz (oder auch wegen) dieser deutlichen Unterschiede ganz klar am West-Maßstab ausgerichtet. […]
Maß und Mitte, alles eine Frage des (West-)Maßstabes: Alle vier westlichen Parteien werden von sich selbst und dementsprechend auch leitmedial als „Parteien der Mitte“ gelabelt – und wie es der Zufall so will, gelten die drei anderen, also die östlichen Parteien, als populistisch, extremistisch oder gar radikal.
In vielen etablierten Medien werden auch daher die drei eher „östlichen“ Parteien weiterhin bestenfalls stiefmütterlich behandelt – mit gelegentlichen Ausnahmen, als z.B. vor Monaten das BSW in der Tendenz hochgeschrieben wurde, um womöglich Linke und AfD zu schwächen, oder dieser Tage, als die Linke kurz vor der Bundestagswahl auf einmal hochgejazzt wurde, um dem BSW zu schaden.
Christine Voges, Telepolis, 25.02.2025 (online)