Benton und Rajan nennen jeweils einige Punkte, die den Erfolg des Guardian ausmachen.
Zusammengefasst sieht das etwa so aus:
- Eine starke Leser-Blatt-Bindung an Stelle von riesiger, anonymer Reichweite: Dazu gehört eine starke Identität, statt “milder Stimmlosigkeit“, wie Benton sie US-Zeitungen attestiert. Für’s reine Rausblasen von Nachrichten will niemand zahlen, für einen speziellen, transparent kommunizierten Blick auf die Welt schon eher. Die Beziehung zwischen Zeitungen und ihrem Publikum müsse mehr werden, wie die enge Bindung von Hörern zu ihren liebsten Radiosendern.
- Denn das führt zu einer stärkeren Zahlungsbereitschaft von Nutzerinnen und Lesern, nach der der Guardian mit auch aktiv und auf freiwilliger Basis fragt. Ähnlich macht es in Deutschland z.B. die taz. Dabei geht es nicht darum, Zugang zu Inhalten zu erwerben, sondern gewissermaßen Teil der Sache zu sein. Beim Guardian heißt es: Spendenmodell statt Paywall. Dabei müssen Medienhäuser allerdings über ihren Schatten springen und offensiv nach Geld fragen.
- Dabei ist eine genaue Analyse von Nutzerdaten nötig: Wann, warum und womit werden Nutzer:innen getriggert, für ein Angebot zu zahlen? Beim Guardian wird laut Rajan z.B. oft angenommen, dass die mitte-links Gesinnung ein Grund des Erfolgs sei. Daten zeigten allerdings auch, dass bestimmte Recherchen, z.B. zum Cambridge Analytica Skandal, größeren Einfluss auf die Zahlungsbereitschaft hätten.
- An angemessener Stelle sparen (siehe oben) und die steigenden Erlöse wieder in Journalismus investieren.
Das setzt auch den Mut zu einer langfristigen Planung und zu einem vorübergehenden Minus voraus, statt der Konzentration nur auf den kommenden Jahresabschluss.
Nora Frerichmann, MDR-Altpapier, 03.05.2019 (online)