Meine Erfahrung lautet, dass man als Moderator sehr oft unglücklich aus der Sendung rausgeht. Man ist unzufrieden mit sich, mit den Antworten, mit dem Verlauf der Sendung. Zu viel Fakten- oder Zahlenhuberei ist immer eine Gefahr. Danach fällt einem ein, was man noch ansprechen wollte und wo man ein treffendes Gegenargument oder die perfekte Frage verpasst hat. Interessant ist, dass sich das mit dem Eindruck der Zuschauer gar nicht unbedingt deckt. Das, was vielleicht chaotisch, unvollständig oder ausweichend war, generierte unter Umständen trotzdem einen Erkenntnisgewinn. In einer solchen Sendung sitzt man im Auge des Taifuns. Die Außenwirkung erkennt man oft erst später. Und: Die Sendung dauert 120 Minuten. Ausschließlich Gespräch, keine Einspieler, und es gibt – RTL sei Dank – eine Sendung ohne Werbeunterbrechungen. Das muss man sich als privat finanzierter Sender erst mal trauen. Hier geht es darum, den Finger zu heben, den Hut in den Ring zu werfen und zu sagen: Wir machen das. Und eines darf man nicht vergessen: Letztlich treten da vier Matadore in die Arena, die viel zu gewinnen und viel zu verlieren haben. Sie werden alles daransetzen, sich gut darzustellen. Uns kommt die Rolle zu, das zu hinterfragen und für die Zuschauer transparent zu machen. Live und ohne Möglichkeit der Korrektur. Solche TV-Momente sind leider selten geworden.
Günther Jauch, faz.net, 16.02.2025 (online)