Kameras halten Einzug in Kopfhörer, Kühlschränke, Öfen und Zahnbürsten. Fällt der Tech-Branche nichts mehr ein, außer noch mehr Sensoren in unser Zuhause zu packen? […]
So wird jeder Sensor, der in die eigenen vier Wände einzieht, zum möglichen Sicherheitsrisiko. Wer auch heutzutage noch darauf verweist, nichts zu verbergen zu haben, dem fehlt nur die nötige Fantasie, um sich auszumalen, inwieweit sein Alltag, wenn er nur in ausreichend vielen miteinander vernetzten Datenbanken existiert, auf einmal zur handelbaren Ressource wird. Wenn der Ofen schon am fünften Tag hintereinander nur die Aufbackpizza filmt, spricht das für zweifelhafte Ernährungsgewohnheiten. Und auch Details ihrer Mundhygiene möchten manche Menschen wohl eher nicht im Internet wissen.
Ohnehin geht es längst um mehr als das einzelne Wohnzimmer: Ein Kartoffelgratin ist für die Hersteller ohne Belang, die Aufläufe von Millionen Haushalten ergeben aber ein erstaunlich präzises Bild davon, wie eine ganze Gesellschaft isst, wohnt und lebt. Aus einzelnen gläsernen Menschen wird eine gläserne Gesellschaft.
Michael Moorstedt, sueddeutsche.de, 06.10.2026 (online)

