Russland und China inszenieren sich gern als Partner im Widerstand gegen eine westlich dominierte Weltordnung. Doch erzählen ihre internationalen Staatssender tatsächlich dieselbe Geschichte über den Krieg gegen die Ukraine? […]
Die Studie widerspricht der Vorstellung, Russland und China bildeten eine geschlossene mediale Propagandafront. Ihre Auslandssender folgen unterschiedlichen Prioritäten, Kommunikationsstilen und nationalen Interessen. Dennoch sind ihre Narrative nicht voneinander getrennt. CGTN verstärkt ausgewählte russische Deutungen – insbesondere die Kritik an westlicher Doppelmoral, Sanktionen und US-amerikanischer Hegemonie.
Dabei werden die Aussagen moderiert und in ein chinesisches Narrativ von Stabilität, Friedfertigkeit und verantwortungsvoller Weltpolitik eingebettet. RT übernimmt die chinesische Selbstdarstellung dagegen kaum. „Strategische Verstärkung“ beschreibt hier eine neue Form autoritärer Medienkooperation: keine gleichberechtigte Partnerschaft und keine vollständig koordinierte Propaganda, sondern eine selektive und asymmetrische Zirkulation von Narrativen.
Für die Analyse internationaler Desinformation ist diese Unterscheidung wichtig: Problematische Narrative verbreiten sich nicht immer als wortgleiche Botschaften oder sichtbar koordinierte Kampagnen. Sie können ihren Ton, ihre Begründungen und ihre journalistische Verpackung verändern, während der politische Kern erhalten bleibt. Die schwächere Macht produziert in diesem Fall die offensiveren Deutungen. Die stärkere Macht hingegen entscheidet, welche davon anschlussfähig gemacht werden.
Susanne Fengler, ejo-online.de.eu, 24.09.2026 (online)

