Politikerinnen und Politiker stellen sich auf die neuen Formate ein und werden gezielt gebrieft. Es ist jetzt Aufgabe der Moderatorinnen und Moderatoren, die Sprachblasen zum Platzen zu bringen und überraschende Gedanken herauszuarbeiten. Da ist es natürlich hilfreich, wenn man mehr Zeit für Einzelgespräche oder Diskussionen im kleineren Kreis hat. […]
Als ich angefangen habe, war es sehr schwer, Politikerinnen und Politiker davon zu überzeugen, sie über einen langen Zeitraum mit der Kamera zu begleiten. Politik wurde häufig wie etwas gehandhabt, das die Öffentlichkeit nichts anzugehen hat. Ab und zu gab es eine Pressekonferenz, das war es dann. Das hat sich geändert. Es gibt eine höhere Bereitschaft, sich bei der Arbeit beobachten zu lassen. Ich spüre sogar ein wachsendes Interesse, in solchen Doku-Formaten vorzukommen. Gelegentlich bekomme ich Anfragen von Pressesprechern, ob nicht Protagonisten aus dem politischen Bereich in einem meiner Filme vorkommen können. Das geht zu weit. Man sollte als Filmemacher die Nähe zum politischen Betrieb suchen, aber gleichzeitig die notwendige Distanz zu ihm wahren. An den Anfragen kann man aber ablesen, dass es heute eine größere Offenheit gegenüber Doku-Formaten zu politischen Themen gibt als damals.
Stephan Lamby, dwdl.de, 13.09.2024 (online)