Zitiert: Künstliche Intelligenz schafft angeblich Freiräume

Ein gängiger Denkfehler ist offenbar die Annahme, dass Werkzeuge, die es ermöglichen, schneller zu arbeiten, am Ende auch dafür sorgen, dass mehr Zeit zur Verfügung steht. Das war in der Coronazeit so, als viele dachten, wenn man nicht mehr mit dem Flieger nach Zürich muss, um anderthalb Stunden mit vier Agenturmenschen über die Farbe eines neuen Logos zu sprechen, sondern das auch innerhalb einer Stunde per Videokonferenz geht, dann spart man anderthalb Tage, in denen man andere Dinge machen kann.

Was dabei nicht unmittelbar bedacht wurde (neben den menschlichen Nebenwirkungen), war, dass die neue Möglichkeit auch neue Meetings verursachen könnte, denn – ach, ja – man muss ja gar nicht nach Zürich. […]

So scheint es auch mit der künstlichen Intelligenz zu sein. Jede einzelne Anfrage wird immer günstiger, aber dafür werden es immer mehr. Von einer Unternehmensberatung befragte Führungskräfte erwarten laut dem Text der neun Autoren, dass die Preise für Textbausteine, die dann später verarbeitet werden, um knapp 20 Prozent sinken werden, ihr Einsatz beziehungsweise ihr Verbrauch aber um 80 Prozent steigt.

Medien betrifft das an ganz unterschiedlichen Stellen. Jemand, der immer wieder mit Förderanträgen für journalistische Recherchen zu tun hat, erzählte mir neulich, dass die Zahl der teilweise aufwändig auszufüllenden Anträge in letzter Zeit auf magische Weise gestiegen sei – wahrscheinlich, weil KI-Chatbots das Ausfüllen der Formulare enorm beschleunigen. Man könne das gar nicht mehr alles lesen, sagte der Mann. Daher nutze man KI, um die Anträge auszuwerten.

Ralf Heimann, MDR Altpapier, 08.10.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)