Ich habe das jüngst auf zwei Stichworte zu reduzieren versucht. Das eine ist Aufmerksamkeitsökonomie, die dafür sorgt, dass all die Themen, mit denen man Klicks erzeugen kann und den Leuten Angst einjagen kann, in den Vordergrund rücken und Vieles andere tendenziell hinten runterkippt. Das Paradebeispiel war im Rückblick die Corona-Berichterstattung.
Und das andere Stichwort, das auch eine ganz große Rolle spielt, ist im politischen Raum der Kampf um die kulturelle Hegemonie, der auch Formen angenommen hat, die dem Journalismus wenig zuträglich sind. Dieser Kampf wird eben nicht nur zwischen den etablierten Parteien, also SPD, Grünen. Linken und der CDU/CSU und FDP sowie inzwischen auch BSW und AFD ausgetragen, sondern der findet auch in den Redaktionen statt, und wir haben in den Redaktionen inzwischen einen viel zu hohen Anteil von Journalistinnen und Journalisten, die aktivistisch tätig sind. Die meinen, zu wissen, wo es hingehen soll, statt die Bürgerinnen und Bürger als selbständig denkende Menschen zu akzeptieren und einfach nur das Ziel zu haben, sie mit den nötigen Informationen und Nachrichten zu versorgen, und zwar eben möglichst unparteiisch und so, dass die Leute selbst sich ein Urteil bilden können.
Der Korridor, in dem sich der Mainstream-Journalismus in Deutschland inzwischen bewegt, ist aus meiner Sicht sehr viel enger geworden.
Stephan Russ-Mohl, ejo-online.eu, 18.02.2025 (online)