Zitiert: Korridor des Mainstream-Journalismus ist sehr viel enger geworden

Ich habe das jüngst auf zwei Stichworte zu reduzieren versucht. Das eine ist Aufmerksamkeitsökonomie, die dafür sorgt, dass all die Themen, mit denen man Klicks erzeugen kann und den Leuten Angst einjagen kann, in den Vordergrund rücken und Vieles andere tendenziell hinten runterkippt. Das Paradebeispiel war im Rückblick die Corona-Berichterstattung.

Und das andere Stichwort, das auch eine ganz große Rolle spielt, ist im politischen Raum der Kampf um die kulturelle Hegemonie, der auch Formen angenommen hat, die dem Journalismus wenig zuträglich sind. Dieser Kampf wird eben nicht nur zwischen den etablierten Parteien, also SPD, Grünen. Linken und der CDU/CSU und FDP sowie inzwischen auch BSW und AFD ausgetragen, sondern der findet auch in den Redaktionen statt, und wir haben in den Redaktionen inzwischen einen viel zu hohen Anteil von Journalistinnen und Journalisten, die aktivistisch tätig sind. Die meinen, zu wissen, wo es hingehen soll, statt die Bürgerinnen und Bürger als selbständig denkende Menschen zu akzeptieren und einfach nur das Ziel zu haben, sie mit den nötigen Informationen und Nachrichten zu versorgen, und zwar eben möglichst unparteiisch und so, dass die Leute selbst sich ein Urteil bilden können.

Der Korridor, in dem sich der Mainstream-Journalismus in Deutschland inzwischen bewegt, ist aus meiner Sicht sehr viel enger geworden.

Stephan Russ-Mohl, ejo-online.eu, 18.02.2025 (online)

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Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)