Zitiert: Ist Reichweite ein Selbstzweck?

Oder doch eher ein Mittel für das eigentliche Ziel? Das Ziel externer Kommunikation ist es ja, Kundschaft, Mitglieder, Leser oder Bürgerinnen zu informieren und mit diesen in einen echten Austausch zu kommen. Das Fediverse hat in der Tat weniger Nutzer als die BigTech-Plattformen, man muss aber – gerade als öffentliche Einrichtung – über zwei wesentliche Dinge nachdenken: Erstens sollte man sich überlegen, ob man sich überhaupt an dem bisherigen Reichweitenbegriff (im Sinne der Anzahl der Follower) orientieren und beim Aufmerksamkeitswettbewerb mitspielen muss. Vielleicht sollte man sich lieber ein wenig davon lösen und mehr darüber nachdenken, was man wirklich bewirken will und kann. Für eine Stadt könnte das z.B. sein, ob man Debatten anstößt, Wissen vermittelt, oder Bürgern Teilhabe und Vertrauen in die öffentlichen Einrichtungen ermöglicht. Aber auch Firmen stehen vor ähnlichen Fragen: Durch die Einschränkung bzw. das Verbot von Links verbleibt der ganze Traffic immer im Silo der Plattformen und lenkt niemanden auf die eigene Website oder den eigenen Shop, was z.B. für den Journalismus bedeutet, dass nicht die Inhalteersteller, sondern die Plattformen mit den Inhalten Geld verdienen – vermeintliche Reichweite hin oder her. Zweitens sollte man kritisch hinterfragen, ob es überhaupt zutrifft, dass man auf Instagram & Co. die dort behauptete „Reichweite“ hat. Damit meine ich, dass die Zahlen der Plattformbetreiber nicht nachvollziehbar oder transparent sind – zudem weiß keiner, wie viele echte Menschen noch hinter den Follower-Accounts stecken (statt Bots). Auch die Zahl der Views können, wie zuletzt von YouTube , von den Plattformen z.B. einfach dadurch künstlich „erhöht“ werden, dass die Definition eines Views kurzerhand geändert wird. Kommt noch Shadowbanning dazu, kann es sein, dass mir 150.000 Follower gar nichts nützen, weil mein Beitrag nur wenigen oder sogar niemandem angezeigt wird.

Anja Obermüller, Flurfunk Dresden, 12.10.2026 (online)