Die Arbeit engagierter Fotojournalist:innen beschränkt sich nicht auf Schnappschüsse, nicht auf Bruchteile von Sekunden. Sie sind länger vor Ort und tiefer im Thema. Sie lassen sich auf Menschen und Situationen ein. Aus solchen Begegnungen entstehen fotografische Geschichten, die nicht (nur) das Spektakuläre, sondern auch das Nebensächliche, Wahre, vielleicht Wichtigere zeigen. Ihre Bilder schreiben unsere Geschichte und prägen unser kollektives Bewusstsein. […]
Wenn Zeitungsauflagen sinken und Magazine nicht mehr rentabel produziert werden können, kürzen Redaktionen auch ihr Bildbudget, und Fotograf:innen verlieren Aufträge. Dann heißt es “gute Bilder konnten wir uns nicht leisten”. Dabei ist die Vorarbeit von Fotograf:innen oft die Basis größerer Beiträge. Und warum sollte ein Text aus Leser:innensicht die Lektüre wert sein, wenn schon das Bild nichts sagt? Können und wollen wir als Gesellschaft es uns wirklich leisten, auf den menschlichen Blick zu verzichten, während künstliche Intelligenzen uns Fantasiewelten vorgaukeln?
Solange es noch unabhängige Gerichte, glaubwürdige Medien und eine wache Öffentlichkeit gibt, geht es darum, neue Modelle zu entwickeln, damit engagierter, unabhängiger, ehrlicher Fotojournalismus weiterhin entstehen kann und verbreitet wird.
Sven Ehmann, publix.de, 24.03.2025 (online)