Hätte man jemandem vor zwanzig Jahren gesagt, wie soziale Medien heute aussehen und funktionieren, wäre die Person vermutlich hochgradig irritiert, dass wir das als freie Menschen und als demokratische Gesellschaft einfach so mitmachen und hinnehmen. Es sind schrille Plattformen voller Werbung, mit Hassrede und Shitstorms, digitaler Gewalt, (politischer) Desinformation, suchtfördernden Designs und einer Marktmacht, die es erlaubt, Menschen und Meinungen zu manipulieren, öffentliche Diskurse zu bestimmen und Wahlen zu beeinflussen. [..]
Die Plattformbetreiber geben uns vor, ob wir am Gespräch teilnehmen dürfen, wen wir erreichen können oder auch, ob wir Links setzen dürfen, was ja nun eine grundlegende Funktion des Internet ist. Und an einen solchen Ort haben wir unseren privaten und vor allem unseren politisch-gesellschaftlichen Diskurs ausgelagert – das ist doch grotesk! Und es ist auch kein Naturgesetz.
Anja Obermüller, Flurfunk Dresden, 13.10.2026 (online)
