Als im Sommer 2025 eine neue Dokumentation über Frieda Kahlo im Fernsehen lief, zeigte das ZDF eine Fassung mit KI-Sequenzen, die die mexikanische Künstlerin beeindruckend realistisch zum Leben erweckten. Für die Arte-Ausstrahlung mussten dann genau diese Szenen durch Graphic-Novel-Elemente ersetzt werden.
Den Arte-Verantwortlichen waren die KI-generierten Szenen wohl zu realistisch, vermutet der verantwortliche Produzent Marcus Uhl von der Produktionsfirma Bilderfest: “Wir waren uns ja alle im Vorfeld einig, dass wir ohnehin bei diesen Spielszenen Hinweise einblenden würden. Ich glaube, man war erschrocken, dass Frieda Kahlo tatsächlich so aussieht wie Frieda Kahlo.” […]
Während es anfangs umstritten war, bei einem Informationsgenre auch Unterhaltungselemente miteinzubinden, ist dieses Stilmittel inzwischen allgemein akzeptiert. Denn grundsätzlich gilt: Wissensvermittlung ohne eine gewisse Emotionalisierung erreicht das Publikum nicht. [….]
Der Dokumentarfilmer Gunnar Dedio von Looksfilm jedenfalls bleibt zurückhaltend, wenn es um den Einsatz von KI in seinen Filmen geht. Für ihn ist es eine Art Gütesiegel, dass sich seine Produktionen hauptsächlich aus originalem, teilweise noch nie gezeigtem Archivmaterial speisen […]
Dennoch kommt bei Looksfilm KI zum Einsatz, wenn es etwa um die Restauration von Archivmaterial geht. Oder bei der Kolorierung von Schwarzweiß-Aufnahmen, […]
Dabei stehen vor allem wirtschaftliche Überlegungen im Vordergrund, denn Reenactment sei wahnsinnig teuer, etwa wenn es um die Darstellung von Schlachten oder Königen in ihren Palästen geht. Die Nachkorrektur künstlich erzeugter Bilder, etwa wenn ein Kostüm nicht richtig ausgewählt wurde, sei ebenfalls einfacher und kostengünstiger, sagt Headecke.
Dass solche mit KI geschaffenen Szenen gekennzeichnet werden müssen, darüber sind sich die Verantwortlichen beim ZDF einig. Genauso wie darüber, dass historisches Quellenmaterial, zum Beispiel Fotografien, nicht künstlich verändert werden darf.
Wilfried Urbe, turi2.de, 12.03.2026 (online)

