Radio Corax in Halle hat dreizehn Mitarbeiter und eine eher holprig laufende Website. Und doch ist der kleine Sender für die AfD offenbar groß genug, um sich an ihm abzuarbeiten. Besuch bei Journalisten, die gar nicht dran denken, leiser zu sein. […]
Das Bürgerradio Radio Corax ist klein, aber für die AfD offenbar groß genug, um sich an ihm vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt abzuarbeiten. Was zunächst verblüfft. Der Sender hat eine holprig laufende Website. Nur dreizehn Mitarbeiter sind angestellt, alle arbeiten sie in Teilzeit. In der Stadt ist der Sender sehr bekannt, das schon, aber seit vierzehn Jahren hat niemand mehr gemessen, wie viele Menschen Radio Corax eigentlich genau hören. […]
Und doch widmet die Partei, die bald regieren will, dem Sender in ihrem Wahlprogramm mehr Worte wie dem von ihr so verhassten und ungleich einflussreicheren Mitteldeutschen Rundfunk, bei dem fast viertausend Menschen tätig sind. Radio Corax biete „allen Spielarten des linken Fanatismus, der perversen Regenbogenideologie und des Genderismus“ eine Plattform, heißt es da im AfD-Programm. Der Sender bekenne sich zu einer „antideutschen Terrororganisation“, genannt werden explizit die „Antifa-News“. Sollte künftig tatsächlich die AfD regieren, will sie dem Radio „den Geldhahn zudrehen“. Die Partei will die Landesmedienanstalt dazu auffordern, die Bezuschussung des Radios einzustellen. Das wäre mehr als ein Drittel der Einnahmen von Radio Corax. Die Folgen? Für den Sender ginge es um die Existenz in seiner jetzigen Form. […]
Der Vielfaltsbegriff dieses Senders ist breit, fast schon sperrig und widerspenstig. Aber eines ist anders als bei den meisten öffentlichen-rechtlichen und kommerziellen Radios: Was man hier zu hören bekommt, ist tatsächlich überraschend. 180 Formate laufen mindestens einmal im Monat, rund vierhundert Leute sind Teil des den Sender tragenden Vereins
Marcel Laskus, sueddeutsche.de, 26.08.2026 (online)

