Zitiert: Wie KI und Medienlogik die Kulturkritik entkernen

Die professionelle Kulturkritik verschwindet aus den Medien – und mit ihr die Fähigkeit der Gesellschaft, sich über Kunst und Werte zu verständigen. Doch statt zu kapitulieren, braucht es neue Wege.

Der Rückzug der professionellen Kulturkritik und die Ausbreitung von KI-Inhalten sind zwei Seiten derselben Medaille, angetrieben durch ökonomischen Druck zur Kostenreduktion und Reichweitenmaximierung.

Wo menschliche Kritik aus finanziellen Gründen verschwindet, entsteht ein Vakuum, das KI mit uniformen, konfliktfreien Texten füllt. Das macht deutlich, was auf dem Spiel steht: eine Öffentlichkeit, in der Meinungsvielfalt und kritische Auseinandersetzung nicht nur möglich bleiben, sondern gesucht werden, um Leben und ein Gefühl für wichtige Nuancen statt klotzigem Denken in die res publica zu bringen.

Statt zu resignieren, braucht es den Mut zu neuen Formaten, die komplexe Analysen zugänglich machen, ohne sie zu verflachen. Kulturkritik wird gebraucht – nicht trotz, sondern gerade wegen der Komplexität unserer Zeit.

Andrej Simon, Telepolis, 28.04.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)