Die professionelle Kulturkritik verschwindet aus den Medien – und mit ihr die Fähigkeit der Gesellschaft, sich über Kunst und Werte zu verständigen. Doch statt zu kapitulieren, braucht es neue Wege.
Der Rückzug der professionellen Kulturkritik und die Ausbreitung von KI-Inhalten sind zwei Seiten derselben Medaille, angetrieben durch ökonomischen Druck zur Kostenreduktion und Reichweitenmaximierung.
Wo menschliche Kritik aus finanziellen Gründen verschwindet, entsteht ein Vakuum, das KI mit uniformen, konfliktfreien Texten füllt. Das macht deutlich, was auf dem Spiel steht: eine Öffentlichkeit, in der Meinungsvielfalt und kritische Auseinandersetzung nicht nur möglich bleiben, sondern gesucht werden, um Leben und ein Gefühl für wichtige Nuancen statt klotzigem Denken in die res publica zu bringen.
Statt zu resignieren, braucht es den Mut zu neuen Formaten, die komplexe Analysen zugänglich machen, ohne sie zu verflachen. Kulturkritik wird gebraucht – nicht trotz, sondern gerade wegen der Komplexität unserer Zeit.
Andrej Simon, Telepolis, 28.04.2026 (online)

