Zitiert: Wie deutsche Firmen Hass und Hetze finanzieren

Die eigentliche Ironie dieser Entwicklung liegt jedoch in der Finanzierung der Plattformen. Während Wirtschaftsverbände und Konzerne regelmäßig betonen, wie wichtig ihnen gesellschaftlicher Zusammenhalt und demokratische Werte sind, spricht ihr Handeln auf dem Werbemarkt eine völlig andere Sprache. Die deutsche Wirtschaft finanziert – wenn auch oft ungewollt – die Infrastruktur von Hass und Hetze im Netz aktiv mit.

Rund 50 % aller digitalen Werbegelder im deutschen Markt fließen direkt in die Kassen der großen US-Giganten Meta, Google und Amazon. Der Grund dafür ist so simpel wie zynisch: Bequemlichkeit. […]

Unter dieser extremen Marktkonsolidierung leiden vor allem jene Akteure, die das eigentliche Fundament einer informierten Demokratie bilden: die deutschen Verlage und ihre Journalisten. Wer Qualitätsjournalismus betreibt, verzichtet bewusst auf billigen Ragebait, hält sich an journalistische Standards und bietet Unternehmen ein absolut sicheres, seriöses Werbeumfeld – die sogenannte Brand Safety.

Doch genau dieses Qualitätsversprechen wird im Jahr 2026 wirtschaftlich bestraft. Da das Einbuchen von Anzeigen bei einer Vielzahl lokaler oder nationaler Verlage aufwendiger ist als das anonyme Streuen über die Algorithmen von Meta und Google, trocknet der Werbemarkt für unabhängige Medienhäuser zunehmend aus. Während Journalisten aufwendige Recherchen finanzieren müssen, um Fake News zu entkräften, wandert der Profit zu den Plattformen, die von eben diesen Fake News leben. Es ist ein toxischer Kreislauf, der das mediale Ökosystem von innen heraus beschädigt und den Verlagen die wirtschaftliche Basis entzieht.

Manuel Weis, digitalfernsehen.de, 17.06.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)