Was Wissenschaft in meinen Augen langfristig verkaufen kann, ist nicht der Erfolg einer Universität XY, sondern Vertrauen. In einer Zeit, in der Glaubwürdigkeit in vielen Bereichen erodiert, sollten wissenschaftliche Einrichtungen deshalb erkennbar anders kommunizieren als Unternehmen. […]
Wenn die Politik Unsinn verbreitet, sollte die Wissenschaft das schnell, laut und deutlich beim Namen nennen, und zwar aus eigenem, langfristigem Interesse.
Tatsächlich glaube ich, dass manchen der Ernst der Lage noch nicht klar ist. Pressefreiheit und Wissenschaftsfreiheit stehen unter Druck. Mit unserer vornehmen akademischen Zurückhaltung und dem Anspruch, doch einfach nur in Ruhe forschen zu wollen, kommen wir auf Dauer nicht weiter. Wissenschaftliche Institutionen haben die moralische Verpflichtung, ihren Beitrag zur demokratischen Meinungsbildung zu leisten – nicht auf der Ebene einzelner Forschender – die haben schon genug zu tun –, sondern auf der Ebene ihrer Forschungseinrichtungen.
Holger Wormer, laborjournal.de, 21.07.2026 (online)

