Welche Gefahr Desinformation für demokratische Gesellschaften ist und was sich dagegen tun lässt, gehört unbedingt diskutiert. Schon klar, dass es keine einfachen Antworten gibt, allein schon, weil natürlich kein Ministerium entscheiden soll, was wahr ist und was unwahr – und weil eine wirksame Selbstregulierung zugleich noch nicht erfunden ist. (Dass der Presserat diese Aufgabe nicht erfüllt, zeigt ja allein die kontinuierlich hohe Zahl an Rügen für „Bild“, die dort weder konsequent abgedruckt werden noch zu Änderungen führen.)
Das alles heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass jeder als Journalismus getarnter Schwachsinn okay ist. Der Jammer ist: Diese wichtige Debatte kommt kaum zustande, weil sich so viele im Namen der Meinungsfreiheit die Köpfe einschlagen.
Halten wir doch für den Anfang einmal fest: Wer aus Sorge um die Demokratie Desinformation beklagt, ruft nicht automatisch nach Zensur. Wer sich Qualitätsjournalismus wünscht, redet damit noch lange keiner staatlichen Medienkontrolle das Wort. Und wer die gesellschaftlichen Folgen der Desinformation und die gefühlte Machtlosigkeit dagegen als Problem beschreibt, ist noch lange kein Feind der Pressefreiheit.
Martin Rücker, Übermedien, 14.01.2026 (online)

