Zitiert: Was im zunehmend entgleisten Zensur-Gebrüll verloren geht

Welche Gefahr Desinformation für demokratische Gesellschaften ist und was sich dagegen tun lässt, gehört unbedingt diskutiert. Schon klar, dass es keine einfachen Antworten gibt, allein schon, weil natürlich kein Ministerium entscheiden soll, was wahr ist und was unwahr – und weil eine wirksame Selbstregulierung zugleich noch nicht erfunden ist. (Dass der Presserat diese Aufgabe nicht erfüllt, zeigt ja allein die kontinuierlich hohe Zahl an Rügen für „Bild“, die dort weder konsequent abgedruckt werden noch zu Änderungen führen.)

Das alles heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass jeder als Journalismus getarnter Schwachsinn okay ist. Der Jammer ist: Diese wichtige Debatte kommt kaum zustande, weil sich so viele im Namen der Meinungsfreiheit die Köpfe einschlagen.

Halten wir doch für den Anfang einmal fest: Wer aus Sorge um die Demokratie Desinformation beklagt, ruft nicht automatisch nach Zensur. Wer sich Qualitätsjournalismus wünscht, redet damit noch lange keiner staatlichen Medienkontrolle das Wort. Und wer die gesellschaftlichen Folgen der Desinformation und die gefühlte Machtlosigkeit dagegen als Problem beschreibt, ist noch lange kein Feind der Pressefreiheit.

Martin Rücker, Übermedien, 14.01.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)