Die Story vom einsamen Unternehmer gegen den Rest der Welt ist Mythos. Musk ist kein einsamer Titan, der sich aus eigener Kraft gegen eine träger werdende Welt durchsetzt. SpaceX ist staatlich finanziert, die Nasa erkennt, dass SpaceX Leistungen erbringen kann, die den Staat erheblich weniger kosten als traditionelle Raumfahrtprogramme. Musk bekommt damit Zugang zu einem staatlichen Apparat, dessen Geld und Infrastruktur seine private Vision überhaupt erst in dieser Größenordnung ermöglichen.
Damit entsteht eine eigentümliche Symbiose: Der Unternehmer braucht den Staat, während der Staat einen Unternehmer braucht, der behauptet, schneller, billiger und radikaler zu sein als der Staat selbst.
Gibney interessiert sich für diesen Widerspruch. Und hier wird sein Film politisch scharf. Denn Musk ist das Produkt einer typisch US-amerikanischen Verbindung von Staat, Kapital und Technologie. Er profitiert von öffentlichen Mitteln und staatlichen Aufträgen – und entwickelt gleichzeitig eine Ideologie, in der staatliche Kontrolle als Behinderung erscheint.
Rüdiger Suchsland, Telepolis, 09.09.2026 (online)

