Ein großer Teil der Debatte dreht sich um die Verwunderung darüber, dass eine KI das macht, was man ihr sagt und nicht automatisch das, was Menschen für menschlich halten. Im Grunde dreht sich ein Teil der Debatte um falsche Erwartungen.
Man könnte von einer KI einen Text schreiben lassen, der so menschenhaft klingt wie der von Anette Dowideit. Aber dann würde sich die Arbeit verlagern. Man müsste der KI sehr viele Informationen liefern, nicht nur über das Thema selbst, sondern auch über die Erlebnisse der vergangenen Wochen, Gespräche mit Freunden, eben alles, was zum Schreiben interessant sein könnte.
Und wenn man möchte, dass das Ergebnis nicht den immer gleichen Mustern folgt, müsste man auch das vorher programmieren. Je weniger Arbeit man sich macht, desto schlechter wird das Ergebnis. […]
Wenn man einer KI sagt: „Schreibe einen investigativen Text zu irgendeinem Thema, mit dem ich den Otto-Brenner-Preis gewinne“, bekommt man allenfalls einen Text, den man beim „Otto-„Waalkes-Preis“ in der Kategorie „Beste falsche KI-Nutzung“ einreichen kann.
Aber wenn man sich sehr viel Arbeit macht, in mehreren Schritten vorzugehen oder eben einen komplexeren Prompt zu schreiben, dann wird das Ergebnis besser, möglicherweise besser als das, was allein mit einem Gehirn und zehn Fingern möglich ist.
Ralf Heimann, MDR Altpapier, 18.06.2026 (online)

