Zitiert: Warum Milliardäre unsichtbar bleiben

Armut ist statistisch gut erfasst — und Medien berichten regelmäßig über Menschen in Armut. Der Großteil der reichsten Menschen bleibt für die Öffentlichkeit dagegen nahezu unsichtbar. Eine neue Datenanalyse zeigt, wie die deutsche Reichtumselite in den Medien unterrepräsentiert bleibt.

In kaum einem Industrieland ist das Vermögen so ungleich verteilt wie in Deutschland. Während die ärmere Hälfte der Bevölkerung rund 1,5 Prozent des Gesamtvermögens besitzt, vereinigen die reichsten 0,1 Prozent mehr als ein Fünftel auf sich. Über die genaue Zusammensetzung dieser Spitze fehlen der Öffentlichkeit jedoch meist verlässliche Daten.

Die Wissenschaftlerin Emma Ischinsky vom Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung hat in einem Forschungsprojekt rund 150.000 Presseartikel analysiert, um die Sichtbarkeit der reichsten Personen des Landes zu kartografieren. Das Ergebnis: Ein Viertel dieser Elite taucht in der Berichterstattung nicht auf. Diese mediale Unsichtbarkeit folgt laut der Studie Mustern, die eng auch mit der Geschichte der Vermögen verknüpft sind. Während sogenannte Selfmade-Milliardäre der Nachkriegszeit wie Sportler und Unternehmerinnen oft als Symbole des wirtschaftlichen Aufstiegs inszeniert werden, bleiben Familien, deren Reichtum in der NS-Zeit begründet wurde, im Schatten. […]

Lediglich 1,5 Prozent der Superreichen generieren die Hälfte aller Namensnennungen in der Presse. Oft handele es sich dabei um Personen, die durch eigene Medienhäuser oder eine aktive Selbstvermarktung die Deutungshoheit über ihr Image behielten. Für die große Mehrheit der Milliardäre und Millardärinnen gilt dagegen: Wer unsichtbar bleibt, taucht in der gesellschaftlichen Debatte über Verteilungsgerechtigkeit nicht auf.

detektor.fm, 06.08.2026 (online)

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Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
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Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)