Das Leben als öffentlich-rechtlicher Fernsehmensch kann kein leichtes sein. Wohin man auch guckt in Medien oder Politik: Immer ist alles zu teuer, zu groß, zu langsam, zu rechts, zu links, zu alt, zu krimilastig, zu helenefischerig. Nie ist jemand zufrieden. Aber wie heißt es im Marketing: Hauptsache, die Leute reden! Wer einen nicht leiden kann, der weiß immerhin, wer man ist. Wie viel schlimmer wird es also, wenn selbst das nicht mehr der Fall ist?
Nach Jahren und Jahrzehnten, in denen die öffentlich-rechtlichen Sender sich vor allem an Menschen reiben mussten, die mit ARD und ZDF nicht zufrieden sind, bekommen sie es plötzlich mit einer wachsenden Gruppe zu tun, die noch viel gefährlicher ist: Menschen, die gar nicht wissen, dass sie mit ARD und ZDF nicht zufrieden sein können – weil sie gar nicht wissen, dass es ARD und ZDF gibt.
Es sind die jungen Leute im unteren Viertel der Bevölkerungspyramide, deren zentrales Mediengerät nie der Fernseher war, sondern immer schon das Smartphone.
Stefan Stuckmann, sueddeutsche.de, 19.06.2026 (online)

