Bei Eigenproduktionen der Streaming-Anbieter seien jeweils knapp sechzig Prozent aller Protagonisten und Hauptfiguren Männer, schreiben die Studienautoren. Das bezieht sich auf insgesamt 192 zwischen Januar 2012 und Juni 2019 auf der ganzen Welt von diesen Anbietern produzierte Serien. Wenn man sich nur die in diesem Zeitraum in Deutschland erschienenen Streaming-Eigenproduktionen anguckt, wird es sogar noch männlicher: 65 Prozent betrage der Anteil männlicher Protagonisten, bei Serien, die für das klassische deutsche Fernsehen produziert wurden, seien es 62 Prozent. . Wenige Monate zuvor waren damals zwei Untersuchungen erschienen, die zu dem Ergebnis kamen, dass bei 72 Prozent der zwischen 2011 und 2015 produzierten deutschen Filme Männer Regie führten, bei Eigenproduktionen von ARD oder ZDF waren es 83 Prozent. Bei den deutschen Eigenproduktionen für die Streamingplattformen lautet die Zahl nun: Rund 93 Prozent männliche Regie. Die Drehbücher stammten zu rund 89 Prozent von Männern. ….
„Die Vielfalt von Frauen ist eingeschränkt“, so der Befund. „Sie kommen seltener vor, sind jung, haben genormte schlanke Körper und Berufe, die ihre emotionale Kompetenz betonen“, und sie würden „entlang tradierter Geschlechterbilder besetzt (Romantik weiblich, Action männlich)“. Die Lebenswelten von Frauen ab 50 würden kaum erzählt.
Philipp Bovermann, sueddeutsche.de, 24.11.2020 (online)