Was aber, wenn die KI ein eigenes Bewusstsein entwickelt und zu dem Schluss kommt, dass es das Beste für den Planeten wäre, wenn er sich des Menschen entledigte? Und wenn sie dabei mit maximaler Heimtücke und Verschlagenheit vorgeht? Dies ist populärer (oder populistischer) Gegenwartsnihilismus. Wer so denkt, thematisiert lediglich eigene Schuldgefühle und schlechtes Gewissen und gesteht über den Umweg der Angst ein, dass wir die Auslöschung „verdienen“. Doch mit dem Gefahrenpotenzial der KI hat das nichts zu tun.
Dabei hilft die eingangs erwähnte Lektion; es will mir nicht gelingen, mir eine KI-Apokalypse auszumalen. Was ich mir ausmalen kann, sind Containerladungen entsprechender Netflix-Serien. Und immer mit Happy End. Ob es die Abermillionen Minibots sind, die losziehen und heimliche Giftcocktails anmischen, die am Tag X freigesetzt werden, oder ob die Menschheit mittels Unfruchtbarkeitsstrategien ausgerottet werden soll: Diese Technik ist zu unflexibel, zu störanfällig, zu servicebedürftig, um sich ernsthaft mit uns Menschen anzulegen. Ihr kann einfach der Stecker gezogen werden. Uns nicht.
Thomas Brussig, sueddeutsche.de, 03.11.2026 (online)
