Wenn einer der namhaftesten ARD-Funktionäre wirklichkeitswidrig behauptet, „die Perspektive aus der Wirtschaft“ und die „Kämpfe“ von „Industrie und Mittelstand“ bisher unterrepräsentiert sind in den „Qualitätsmedien“ und die „vermeintlich Schwachen“ eine starke Stimme haben, dann erzeugt das Druck. Druck, den „vermeintlich Schwache“, also zum Beispiel Menschen, die in Armut leben oder Opfer von Kürzungen von Sozialleistungen sind oder bald sein werden, noch weniger gerecht zu werden als bisher.
Um noch auf die „Perspektivenvielfalt“ zurückzukommen. Ist ja eigentlich eine gute Sache. Für viele Mitarbeitenden der ARD ist es aber mittlerweile ein Horror-Wort. Perspektivenvielfalt bedeutet in der ARD heute nämlich oft genug, dass Journalisten die hinterletzten Perspektiven abbilden müssen, anstatt Perspektiven auszuformulieren, die für ihre Publika womöglich anregend wären.
René Martens, MDR Altpapier, 19.05.2026 (online)

