Einzelne Textschnipsel oder kurze Sequenzen von Zitaten der Politiker:innen werden immer wichtiger. Wichtiger noch als die „Soundbites“, die bereits während der TV-Ära, noch vor der Digitalisierung, eine wichtige Rolle spielten. Memes, verbreitet über Instagram und TikTok, dynamisieren das Phänomen. Die Medien, aber natürlich auch die Politiker:innen, haben sich darauf eingestellt.
Das führt dazu, dass eine Banalität oder ein kleiner Fauxpas zu einer Riesensache hochgejazzt wird und sich solche Aufregungsanlässe immer schneller ablösen. Sie bestimmen zunehmend die Aufmerksamkeitsspanne des Publikums.
Das alles ist vielleicht, isoliert betrachtet, gar nicht mal so dramatisch. Aber man muss sich fragen: Was sind eigentlich die wirklich wichtigen Themen? Wie viel Ressourcen verschwenden wir auf Pseudo-Ereignisse? Wie schwierig wird es dadurch, rationale und komplexere Themen in der Öffentlichkeit mit einer gewissen Tiefe und Dauer zu diskutieren?
Für eine Demokratie, in der viele Prozesse länger dauern und in der oft komplizierte Entscheidungen zu fällen und Kompromisse einzugehen sind, ist eine Dynamik öffentlicher Oberflächlichkeit in der politischen Kommunikation ein echtes Problem. Ehrlicherweise haben auch die etablierten journalistischen Medien einen Anteil an dieser Entwicklung. Und Parteien wie die AfD können davon profitieren.
Tanjev Schultz, dfvj.de, 20.08.2026 (online)

