Durch die schiere Anhäufung wahlloser, ahistorischer Details in den KI-generierten Medien gewinnen diese eine völlig neue Qualität der Desinformation. […]
Unsaubere „handgemachte“ Darstellungen von Geschichte in nachgespielten Szenen haben damit zu tun, dass jemand falsche Entscheidungen getroffen hat. KI-produzierte Darstellungen beruhen massenhaft darauf, dass gar keine Entscheidung getroffen wurde – und darauf, dass den Produzent:innen und Redakteur:innen buchstäblich alles egal war. Irgendjemand muss die fertigen Sendungen ja abgenommen haben.
Der Schaden entsteht gleich auf mehreren Ebenen. Zunächst wird das Medium der TV-Geschichtsdokumentation in Mitleidenschaft gezogen – ein Medium, das eigentlich nachweislich in der Lage ist, mit einfachsten Mitteln und ohne jede animierte oder geschauspielerte Ausschmückung bestens auszukommen. Das sieht man etwa an der legendären Dokumentationsreihe von Ken Burns über den Amerikanischen Bürgerkrieg, die ausschließlich mit historischen Standfotos arbeitet.
Darüber hinaus zerstören die wahllosen KI-generierten Bildwelten jede noch vorhandene Urteilskraft für historische Bilder bzw. dafür, wovon es überhaupt historische Bilder geben kann und wovon nicht. […]
Wir können die Wahrheit über vergangene geschichtliche Verhältnisse und Ereignisse nie ganz kennen, sondern uns ihr höchstens annähern, das ist richtig. Aber der Einsatz solcher KI-Videos zeugt von einer Einstellung zur Geschichte, der die Wahrheit völlig gleichgültig ist. Es soll sich halbwegs richtig anfühlen und nichts kosten
Matthias Warkus, Übermedien, 29.10.2026 (online)
