Jede Stunde drei bis fünf Minuten im Radio, um 20 Uhr 15 Minuten im Fernsehen, rund um die Uhr in Nachrichtenkanälen – wir müssen füllen. Wir passen die Realität da draußen an unsere Sendepläne an. Jeden Tag gibt es scheinbar – das suggerieren wir unseren Nutzern – gleich viele wichtige, relevante Nachrichten. Aber das ist – mit Verlaub – Quatsch. Niemand steht regelmäßig fünf Minuten am Gartenzaun, um sich mal Wichtiges und mal weniger Wichtiges zu erzählen. Hauptsache fünf Minuten.
In der Linearität verleihen wir Themen an bestimmten Tagen eine Bedeutung nur deshalb, weil gewichtige andere Themen fehlen. Wir relativieren unsere Nachrichtenwert-Kriterien Tag für Tag – das kommt einer Entwertung gleich. Diese Beliebigkeit schafft einen Themenbrei, in dem auch Clickbaiting und Fake News verzehrbar und verzeihlich werden. An anderen, „nachrichtenstarken“ Tagen kommen dagegen relevante Dinge zu kurz, weil es so viele von ihnen gibt: das klassische Dilemma des Nachrichtenjournalismus
Björn Staschen, NDR, Projektleiter für das crossmediale Nachrichtenhaus im NDR und leitet das NextNewsLab, media.de, 12.02.2019 (online)