Dabei wird ein zentraler publizistischer Prozess wegrationalisiert. Bis zu dreissig Angestellte, kündigte das grösste Schweizer Medienhaus Tamedia Ende Januar an, verlieren für die jüngste „Transformation“ ihren Job. Man wolle „Journalismus und Tamedia eine Zukunft geben“. Dabei hatte der Konzern schon im Sommer 2024 bekannt gegeben, 290 Vollzeitstellen abzubauen, um die Zukunft zu sichern.
Die neuerliche Ankündigung geht mit einem Strategiewechsel einher: Print ist nun doch wieder wichtig, nachdem Tamedia zuletzt vor allem auf digitale Kanäle setzte. Die digitale Transformation findet einfach an einer anderen Stelle statt. An einer, wo man von aussen wenig davon merkt. […]
Das Schreiben als zentraler publizistischer Prozess, bei dem sich Gedanken zu Argumenten verdichten und sich Stil und Haltung manifestieren, übernimmt jetzt die Maschine. Die Inszenierung in einer Reportage, um die Leser:innen an den Ort des Geschehens zu führen, entwirft der Rechner. Das Schreiben, so offenbar die Erkenntnis aus dem Zukunftslabor der Tamedia, ist ineffizient und kann wegrationalisiert werden.
Renato Beck, woz.ch, 26.03.2026 (online)

