Nicht umsonst ist die KI gerade für traditionelle Geschäftsmodelle affin, die an der gedruckten und lokalen Zeitung festhalten. Geht es doch hier in erster Linie darum, dass der Konsument ein Produkt in der Hand halten kann, mit dem er gewisse Gefühle und Haltungen verbindet.
Die Verleger denken, dass ihr Publikum im Grunde nichts Neues, gar Verstörendes erfahren möchte, sondern Bestätigung sucht, Faktenkollektionen, die zu vertrauten Thesen passen, in vertrauter Form. Und wer hätte die intensiver studiert als die KI, die eingeführte Muster bevorzugt und sprachliche wie gedankliche Abweichungen sanktioniert, wie es der Medienphilosoph Roberto Simanowski in seinem Buch „Sprachmaschinen. Eine Philosophie der künstlichen Intelligenz“ (2025) ausführt? […]
KI im geschriebenen Journalismus ist also insofern egal, als sich nur die Form ändert, also die Art der Erzeugung des Produkts Text, innerhalb des Produkts Zeitung. Bleibt das Problem der Wahrheit und der Wirklichkeit.
Ambros Waibel, taz.de, 17.06.2026 (online)

