Der Kölner Medienwissenschaftler Martin Andree hat vor sechs Jahren mit einer Studie, die er gemeinsam mit der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) durchführte, ein wenig Licht ins Dunkel gebracht. Sein „Atlas der digitalen Welt“ zeigte das enorme Ausmaß der Machtkonzentration: Allein Alphabet und Meta (damals noch Facebook) griffen 34,2 Prozent der Zeit ab, die Nutzer online verbringen, rund 70 Prozent machten die Top 100 unter sich aus.
Sechs Jahre sind im dynamischen Digitalmarkt eine Ewigkeit. Nun hat Andree seine Ergebnisse in der etwas kleineren Studie mit 8000 statt 16.000 Teilnehmern aktualisiert. Dass sich an der Dominanz von Big Tech kaum etwas verändert hat, ist keine große Überraschung: Auf die Top 10 entfallen zwar nur noch 46 Prozent (2020 waren es 50,7), danach flacht der Traffic abrupt ab. Bei den Top 500 nahm die Konzentration leicht zu und liegt jetzt bei 86,2 Prozent. […]
500 Seiten sind gerade einmal 0,003 Prozent aller registrierten Domains. Wie extrem die Ungleichverteilung ist, erkennt man besonders gut, wenn man die Statistik mit dem Gini-Koeffizienten ausdrückt, dem Maß, das man auch bei der Verteilung von Vermögen verwendet und auf einer Skala von 0 (absolute Gleichverteilung) bis 1 (maximale Ungleichheit) anzeigt. Er hat sich seit 2020 kaum verändert: Damals lag er bei 0,988, heute bei 0,987. Das macht sehr deutlich, wie wenig Wirkung die Versuche haben (etwa durch Regularien der EU), die Dominanz der großen Plattformen zu beschränken. […]
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Harald Staun, faz.net, 25.06.2026 (online)

