Ich persönlich finde, dass die rapide wachsende Macht der Tech-Giganten am bedrohlichsten ist. Weil sie das demokratische System außer Kraft setzt. Es findet gerade, von manchen weitgehend unbemerkt, ein Machtwechsel statt: weg von den demokratischen Institutionen, den Medien und der traditionellen Öffentlichkeit hin zur Sphäre, die von Tech-Oligarchen beherrscht wird. Diese kleine Gruppe bestimmt immer mehr, wie wir uns im digitalen Raum bewegen, was wir denken, was wir kaufen, wie wir leben, wie unser Sexleben ist, welche Sehnsüchte wir haben. […]
Ich bin kein technikfeindlicher Mensch, aber was wir gerade erleben, ist ein Versagen der staatlichen Kontrolle. Es gibt keine Regeln, keinen Persönlichkeitsschutz und keine Garantien mehr in der digitalen Sphäre. Stattdessen gibt es digitale Warlords wie Elon Musk, Mark Zuckerberg, Jeff Bezos, Sam Altman, die auf ihren Plattformen und Apps alles bestimmen und mit KI diese Übermacht noch ausbauen. Das sind die wahren Raubtiere. Diese Gefahr ist deutlich größer als die Bedrohung durch die üblichen autokratischen Führer, die kommen und gehen.
Giuliano da Empoli, sueddeutsche.de, 02.04.2026 (online)

