Enzyklopädien präsentieren nicht Forschungsergebnisse von Enzyklopädisten, sondern gesammeltes Wissen von Disziplinen und Erfahrungsbereichen, das als gesichert gilt. Im Unterschied dazu verfügt generative künstliche Intelligenz nicht über die Möglichkeit, Texte und Daten nach ihrer Verlässlichkeit zu überprüfen und dafür wissenschaftlichen Sachverstand einzubeziehen, wie es bei der Erstellung von Enzyklopädien üblich ist. Dennoch setzen auch die Anbieter generativer künstlicher Intelligenz menschengesteuerte Filter ein, um zu verhindern, dass sich in die Antworten auch all die Irrtümer und Fehlinformationen einschleichen, die im Internet verbreitet sind. Diese Filter einschließlich der wechselseitigen Kontrolle unterschiedlicher LLMs führen aber bislang nicht zu einer Verlässlichkeit der Auskünfte, die mit derjenigen traditioneller Enzyklopädien vergleichbar ist. Dafür können Systeme der generativen künstlichen Intelligenz auf ein weit größeres Spektrum möglicher Fragestellungen Antwort geben, und sie passen sich der jeweils veränderten Daten- und Diskurslage kontinuierlich an.
Julian Nida-Rümelin, sueddeutsche.de, 26.08.2026 (online)

