Ich glaube, wenn jemand schon weiß, was er erzählen will, also wenn er seine Handschrift schon gefunden hat, dann kann KI ein nützlicher Gesprächspartner sein. Vielleicht überschätzen wir den Wert von Feedback an sich und unterschätzen den Wert von Urteilskraft. Die eigentliche Herausforderung bleibt, etwas Eigenes zu sagen. Wer noch nicht weiß, was er erzählen möchte, bekommt von KI zwar sehr viele Antworten – aber nicht unbedingt Hilfe bei der Suche nach der eigenen Frage. Deshalb mache ich mir bei Studierenden manchmal Sorgen. Es wäre schade, wenn ausgerechnet der Umweg, auf dem man seine eigene Stimme findet, plötzlich übersprungen würde. […]
Künstliche Intelligenz zu nutzen, um Arbeitsabläufe effizienter zu machen oder um visuelle Effekte herzustellen, die früher technisch nicht machbar waren, ist erst mal nichts Schlechtes. Die spannende Frage beginnt für mich aber dort, wo es um die künstlerische Vision geht. KI verändert gerade die Spielregeln. Die interessante Frage ist für mich deshalb nicht nur, was KI kann, sondern welche menschlichen Fähigkeiten dadurch plötzlich besonders wertvoll werden. Vielleicht wird uns diese Entwicklung vor allem daran erinnern, worin der eigentliche Wert von Kunst liegt: In einer menschlichen Perspektive auf die Welt.
Pia Strietmann, epd medien, 19.06.2026 (online)

