Wie menschlich kann Animation bleiben, wenn ihre Werkzeuge immer stärker automatisiert sind? Daubrez warb für mehr Zugang. KI könne, so seine Hoffnung, endlich Kreativen in Ländern eine Kamera in die Hand geben, in denen es bisher weder Studios noch teure Software gab. Er betonte aber auch die Grenzen. Wer die Werkzeuge bequem einsetzt, ziehe alles in Richtung „Durchschnitt“. Entscheidend sei, der Maschine eine eigene Sichtweise mitzugeben – nicht darauf zu hoffen, in ihr eine zu finden. Aus seiner Praxis funktioniert vor allem, was er „Hybridproduktion“ nennt: KI übernimmt das Rendering, Menschen behalten die Kontrolle über Bewegung und Gestaltung.
Michel sprach über die wirtschaftliche Seite. Er sieht eine Zukunft, in der kleine 5-Millionen-Dollar-Studios Filme produzieren, wo früher eine 50-Millionen-Dollar-Produktion stand. Große Häuser müssten dann das streichen, was er ihr „Polster“ nennt. Und er lieferte den Satz, auf den die Runde immer wieder zurückkam: Wenn die Technologie das technische Handwerk übernimmt, „bleibst am Ende du übrig“ – dein Geschmack, dein Blick. Die Diskussion kreiste deshalb immer wieder um Autorschaft. Kontrolle, sagte jemand auf dem Panel, sei gleichbedeutend mit Schaffen.
Flanagan sprach das Unbehagen offen an. Etablierte Regisseurinnen und Regisseure fühlen sich von KI angezogen, weil sie vielleicht endlich das Herzensprojekt verwirklichen können, für das bisher niemand Geld geben wollte. Junge Leute im Publikum fragen sich dagegen, wie sie überhaupt ihren ersten Job bekommen sollen.
Hautin, deren Kollektiv die neuen Tools seit zwei Jahren in echten Produktionen testet, fasste das ambivalente Gefühl im Raum zusammen: „Ein Teil von dir will, dass es funktioniert, ein Teil von dir nicht.“
Neumann sprach noch klarer über die Effizienz, auf die sich alle beriefen. Für ein kleines Team wären sie ohne KI schneller gewesen, sagte er.
Die Diskutierenden legten ihre besten und schlechtesten Szenarien auf den Tisch. Am Ende blieb eine Einsicht, an der kaum jemand rüttelte: Niemand weiß, wo all das in drei Jahren steht.
Marta Rodriguez Martinez, Euronews, 12.07.2026 (online)

