Ich arbeite seit mehr als vier Jahrzehnten als Filmproduzent, und künstliche Intelligenz ist für mich längst alltäglich. Sie läuft mit, in der Projektentwicklung, in Produktion und Postproduktion, im Marketing, der Auswertung und in allen Bereichen von Kommunikation und Verwaltung. Sie macht vieles schneller, manches besser, einiges überhaupt erst möglich. Ein gutes KI-generiertes Drehbuch allerdings habe ich noch nicht gelesen.
Die Frage, über die meine Branche so erbittert streitet – ist KI ein nützliches oder ein gefährliches Werkzeug? –, führt in die falsche Richtung. KI ist mehr als ein Werkzeug. Sie wird gerade zur Infrastruktur der Unterhaltung und revolutioniert die Art und Weise, wie produziert, verteilt und bezahlt wird. Werkzeuge kann man weglegen, Infrastruktur nicht. Wer sie besitzt, bestimmt die Bedingungen – für sich und alle anderen. Darum geht es in Wahrheit, wenn wir über KI reden: wer künftig produziert, wer die Beziehung zum Publikum kontrolliert – und wer an dessen Emotionen verdient. […]
Und zweitens findet die Revolution gar nicht dort statt, wo alle hinschauen, auf den Bildschirmen der Konsumenten – sondern in der Produktionskette, wo kaum jemand hinschaut.
Martin Moszkowicz, sueddeutsche.de, 21.08.2026 (online)

