Zitiert: Kampflinie liegt zwischen Faktenorientierung und Fake

Auf diese Weise verharmlosen Politiker das rechte Geraune von den „alten Medien“ und den „alten Parteien“. Dabei verläuft die Bruchlinie ganz offensichtlich nicht zwischen alt und neu. Seit Jahrzehnten etablierte Medien wie „Bild“ und „Die Welt“, beide aus dem Springer-Konzern, stehen in dieser Auseinandersetzung an der Seite der neuen rechten Portale wie „Nius“, „Compact“ und „Apollo“. Nein, die Kampflinie liegt – bei aller Unzulänglichkeit und aller Kritik an diversen Medien – zwischen Faktenorientierung und Fake, zwischen Debatte und Krawall, zwischen Polemik und Denunziation, zwischen Verteidigung der Demokratie und Aushöhlung der Demokratie.

Darum geht es nun auch im Fall Daniel Günther: Wie schützt man die Demokratie vor der wachsenden Gefahr von rechts? Das ist die Kernfrage, auch wenn »Nius« in billiger Weise versucht, den Spieß umzudrehen und Günther wegen seiner deutlichen Kritik als Antidemokraten abzustempeln. Es ist ein knallharter Kampf um die Deutungshoheit. Als dieser Tage ein AfD-Abgeordneter im Bundestag sagte, der CDU-Politiker Günther habe für ein Verbot freier Medien plädiert, erklärte der amtierende Bundestagspräsident Bodo Ramelow nach dem Redebeitrag, er behalte sich vor, die Bemerkungen daraufhin prüfen zu lassen, ob sie unwahre Tatsachenbehauptungen enthalten. Das löste reflexartige Proteste in rechten Medien aus, bis zum Vorwurf, Ramelow drohe einem Abgeordneten mit Sanktionen. Von Sanktionen war aber gar keine Rede gewesen. Wer allein schon einen Faktencheck als Drohung empfindet, der hat ein Problem. Und er ist ein Problem. Das gilt für die AfD genauso wie für „Nius“.

Wolfgang Hübner, nd-online.de, 18.01.2026 (online)

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Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
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Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)