Auf diese Weise verharmlosen Politiker das rechte Geraune von den „alten Medien“ und den „alten Parteien“. Dabei verläuft die Bruchlinie ganz offensichtlich nicht zwischen alt und neu. Seit Jahrzehnten etablierte Medien wie „Bild“ und „Die Welt“, beide aus dem Springer-Konzern, stehen in dieser Auseinandersetzung an der Seite der neuen rechten Portale wie „Nius“, „Compact“ und „Apollo“. Nein, die Kampflinie liegt – bei aller Unzulänglichkeit und aller Kritik an diversen Medien – zwischen Faktenorientierung und Fake, zwischen Debatte und Krawall, zwischen Polemik und Denunziation, zwischen Verteidigung der Demokratie und Aushöhlung der Demokratie.
Darum geht es nun auch im Fall Daniel Günther: Wie schützt man die Demokratie vor der wachsenden Gefahr von rechts? Das ist die Kernfrage, auch wenn »Nius« in billiger Weise versucht, den Spieß umzudrehen und Günther wegen seiner deutlichen Kritik als Antidemokraten abzustempeln. Es ist ein knallharter Kampf um die Deutungshoheit. Als dieser Tage ein AfD-Abgeordneter im Bundestag sagte, der CDU-Politiker Günther habe für ein Verbot freier Medien plädiert, erklärte der amtierende Bundestagspräsident Bodo Ramelow nach dem Redebeitrag, er behalte sich vor, die Bemerkungen daraufhin prüfen zu lassen, ob sie unwahre Tatsachenbehauptungen enthalten. Das löste reflexartige Proteste in rechten Medien aus, bis zum Vorwurf, Ramelow drohe einem Abgeordneten mit Sanktionen. Von Sanktionen war aber gar keine Rede gewesen. Wer allein schon einen Faktencheck als Drohung empfindet, der hat ein Problem. Und er ist ein Problem. Das gilt für die AfD genauso wie für „Nius“.
Wolfgang Hübner, nd-online.de, 18.01.2026 (online)

