Die FAZ nutzt den Fall Voigt, um ihren Lesern zu versprechen, dass sie für ihr Geld originäre Gedanken von Menschen bekommen. Springer nutzt den Fall Voigt, um seinen Lesern zu zeigen, dass sie sich das bisschen „Journalismus“ auch einfach mit einem Chatbot selbst generieren lassen können, ohne Umweg über ein teures Abo.
Mathias Döpfner schadet damit nicht nur seinem Unternehmen, sondern der ganzen Branche. Und macht es damit im Nachhinein noch unfassbarer, dass er sich nach dem Tod des FAZ-Herausgebers Frank Schirrmacher als dessen Vermächtnisbewahrer inszeniert hatte und bis heute im Rat der Frank-Schirrmacher-Stiftung sitzt. Schirrmacher hatte früh davor gewarnt, das eigene Denken an die Maschinen zu delegieren. […]
Aber bei Döpfner geht KI über alles. Als die Bild-Zeitung im Mai 2025 einen grotesk falschen Artikel veröffentlichte, der auf Halluzinationen einer KI beruhte, sagte Döpfner dem Manager Magazin, solche Fehler müssten natürlich schnell korrigiert werden, aber: „Das sind die Fehler, die ich am liebsten verzeihe! Wenn jemand aus zu viel Enthusiasmus und zu viel Begeisterung für die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz irgendwelchen Halluzinationen aufsitzt. (…) Bei uns muss sich keiner dafür rechtfertigen, dass er für Artikel, Präsentationen, Reden – was auch immer – künstliche Intelligenz genutzt hat. Rechtfertigen muss sich nur, wer sie nicht nutzt.“
Insofern kann man seinen per Knopfdruck generierten Leitartikel jetzt auch als starkes Signal an die Journalisten in seinem Haus lesen, sich mehr Sorglosigkeit im Umgang mit KI zu leisten.
Stefan Niggemeier, sueddeutsche.de, 14.06.2026 (online)

