Zitiert: Irreführende Statistik

Zahlreiche Medien wollen einen angeblichen Kreuzfahrt-Trend unter der einst so klimabewussten Generation Z ausgemacht haben. Dabei gehen die Redaktionen jedoch billigen Statistik-Tricks der Kreuzfahrt-Lobby auf den Leim. […]

Dass die Altersgruppe der 20- bis 39-Jährigen „die größte Gruppe, im Vergleich zu den anderen Altersklassen“ sei, entnahm die Tagesschau in ihrem Instagram-Beitrag diesem Diagramm. RTL baute auf dessen Grundlage sogar eine eigene Infografik, genauso wie der englischsprachige Instagram-Kanal der Financial Times. Wyn wiederum nutzte die unveränderte Darstellung aus dem Report für sein Reel, und kreiste die für seine Argumentation wichtige Altersgruppe ein.

Es ist frappierend, dass dabei niemandem in diesen durchaus renommierten Redaktionen etwas aufgefallen ist. Denn CLIA hat das Diagramm zugunsten des eigenen Narrativs irreführend dargestellt. Ganz zufällig werden nämlich nur die beiden jüngsten Altersgruppen in 20er-Jahresschritten (unter 20, 20–39) sortiert, während Passagiere ab 40 Jahren in Zehnerschritten (40–49, 50–59 usw.) dargestellt werden. […]

Sortiert man das gesamte Diagramm nun korrekt in 20er-Gruppen, zerfällt sofort die ganze schöne Illusion. Denn dann sind die 20-39-Jährigen mit 20 Prozent plötzlich die zweitkleinste Gruppe. Zusammengenommen stellen die 40–59-Jährigen dann 31 Prozent der Passagiere, die über 60-Jährigen sogar 33 Prozent (wobei CLIA die über 70-Jährigen als nach oben offene Gruppe darstellt).

Frida Walter, Übermedien, 18.03.2026 (online)

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Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)