Aus dieser Perspektive, der wirtschaftlichen, hat Berndt in den Menschen, die Journalisten und Journalismus generell kritisch sehen, eine sehr große Zielgruppe gefunden, die ein gewaltiges Publikum verspricht. Menschen, die – so hat er es neulich im Podcast mit der „Funke“-Digitalchefin Melanie Amann erklärt – für „neutralen Journalismus“ sogar bezahlen würden.
Das, was Melanie Amann Einordnung nennt, würden diese Menschen vermutlich als Belehrung beschreiben.
Ein möglicher Erklärungsansatz dafür könnte sein, dass Menschen in einer Welt, in der es keine Gatekeeper mehr braucht, andere, die sich trotzdem weiterhin wie Welterklärer aufführen, als anmaßend empfinden. In jedem Fall ist es ein Hinweis darauf, dass sehr wenig Vertrauen vorhanden ist. […]
Journalisten müssen sich bewusst machen, welche Rolle sie in diesem Spiel spielen und dass es nicht nur auf den Inhalt ihrer Fragen ankommt, sondern auf mehrere Ebenen und Elemente einer Inszenierung. Und das heißt, sie müssen nicht nur gut informiert sein, sondern auch ihre Rolle beherrschen.
Dann kann es gelingen, dem einen Teil des Publikums souverän Widersprüche und fehlende Antworten vor Augen zu führen und dem anderen Teil so wenig Anlass wie möglich geben, sich in seinem Urteil bestärkt zu fühlen. Der Journalismus wird die AfD also wohl nicht entzaubern können, aber er kann zeigen, wie die Zaubertricks funktionieren.
Ralf Heimann, MDR Altpapier, 10.07.2026 (online)

