Die Spaltung einer Gesellschaft, die Beschädigung der Integration zu thematisieren, ist eine Aufgabe, für die der öffentlich-rechtliche Rundfunk nach wie vor alle Voraussetzungen mitbringt. Er muss sich anders als seine Konkurrenz nicht zweimal am Tag neu erfinden. Er muss sich auch nicht in aller Hektik (wie etwa die alten Volksparteien meinen) permanent erneuern. Er muss tun, was er soll. Was das ist, steht im Gesetz. TV-Verantwortliche mögen weiterhin von großen Zahlen träumen, von denen nichts im Gesetz steht. Weiter würde die Einsicht führen, dass die großen Zahlen in einer von Vielfalt geprägten Gesellschaft nicht (mehr) zu haben sind. Noch weiter die Erkenntnis, dass das kein Unglück ist. Drei Krimis an einem Fernsehabend sind nicht die Lösung, sondern das Problem. Die große Zahl war nie das Ziel. Das Ziel war und ist ein „an alle“: Integration. Daran ändert sich auch nichts, weil jetzt alles digital geworden ist. ….
Nach wie vor gibt es drei Gründe für eine gute Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: das Gesetz, das Geld und die Politik. Der daraus resultierende vierte Grund ist das Programm. Wenn etwas fehlt, sind es Einsicht und Wille.
Norbert Schneider, Medienkorrespondenz, 19.07.2020 (online)