Zitiert: Infrastruktur ist nie neutral

Wer sie aufbaut, besitzt und über sie verfügt, bestimmt die Zukunft. Das haben die Anhängerinnen des Techno-Autoritarismus verstanden; sie argumentieren deswegen nicht länger gegen die Demokratie, sondern arbeiten daran, einen Ersatz für sie zu schaffen. Statt Wählerinnen überzeugen zu wollen, übernehmen sie die Kontrolle über die Infrastruktur. Statt den Staat zu leiten, werden sie allmählich selbst zu seinem operativen System.

Wenn die Demokratie das Zeitalter von KI-Kriegen, privatisierten Satellitennetzwerken und algorithmusbasierten autoritären Regierungstechniken überleben soll, muss sie sich ihre eigenen technologischen Grundlagen zurückerobern. Sie muss in öffentliche Infrastruktur wie Clouds, Chips, Identifizierungssysteme und Verteidigungsplattformen investieren, die den Bürgerinnen und der Demokratie dienen, statt den Oligarchinnen. Dazu gilt es, Doktrinen demokratischer Technologie zu formulieren, wie es die autoritäre Tech-Rechte mit ihren postdemokratischen Doktrinen getan hat. Und man darf nicht länger private Interessen mit öffentlichen Interessen verwechseln.

Die autoritäre Tech-Rechte hat einen Plan, den sie mit Hochdruck vorantreibt. Demokratien müssen mit der gleichen Klarheit und größerer Glaubwürdigkeit darauf antworten. Der Block kann reguliert werden, aber nur, wenn er zuerst als das erkannt wird, was er ist: kein technischer Trend, sondern eine neue Art der Macht.

Francesca Bria, rosalux.de, 04.02.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)