Es gibt Grundtugenden, handwerkliche und ethische Standards, die sind unverrückbar. Aber wir haben zu berücksichtigen, dass wir in einer Welt von Social Media leben, in der Dialog eine ganz andere Dimension hat. Früher haben wir Zeitungen gedruckt und Sendungen gemacht, von denen wir überzeugt waren, so ist das richtig. Jetzt ist die ganze Welt dialogischer geworden und diskutiert mit. Damit haben sich diese Kriterien vielleicht nicht grundlegend verändert, aber deutlich erweitert. […]
Wir müssen uns dringend damit beschäftigen, wie wir eine freie, offene deutsche Medienlandschaft erhalten. Dazu kommt die ungeheure Bedeutung von Emotionen bei Social Media. Die Plattformen und Intermediäre wollen damit Traffic und Einnahmen generieren, sorgen aber dafür, dass der Dialog massiv verroht und verkommt. […]
Und auch Dialog mit dem Publikum bedeutet Aufwand. Schon zu meiner „Tagesschau“-Tätigkeit waren wir täglich mit Tausenden von Kommentaren konfrontiert. Das wird irgendwann ein Mengenproblem: Lässt sich das noch ordentlich moderieren? Kannst du es beherrschen? Dafür haben viele Medienhäuser noch keine überzeugende Antwort gefunden. Denn natürlich ist es eine wunderbare Vorstellung, zu jedem Thema eine große Diskussion stattfinden zu lassen. Aber auch wir merken, dass trotz der Kolleginnen und Kollegen, die im Community-Management im SWR tolle Arbeit leisten, unsere Ressourcen hier begrenzt sind.
Kai Gniffke, newsroom.de, 12.05.2026 (online)

