Zitiert: Großkonzerne halten sich Medien

Andreessen Horowitz’ Risikokapitalfirma a16z hat derweil ein Investmentprogramm für neue Medien ins Leben gerufen, es fördert „Akteure, Kreative und Geschichtenerzähler, die die Zukunft der Medien gestalten“. Hier soll, so heißt es, ein Ort geschaffen werden, „an dem Gründer die Legitimität, den Geschmack, den Markenaufbau, das Fachwissen und die Dynamik erwerben, die sie benötigen, um den Kampf um die Narrative im Internet zu gewinnen“.

In einer Zeit, in der das Misstrauen gegenüber Tech-Unternehmen riesig ist und die Furcht vor den Folgen von KI auf Gesellschaft und Arbeitsmarkt steigt, baut sich das Silicon Valley ein eigenes Netzwerk alternativer Medien auf, in dem CEOs die unangefochtenen Stars sind. Die Meldung über das MTS-Investment kam nur kurze Zeit nach der Übernahme der populären Live-Tech-Talkshow Technology Business Programming Network durch Open AI. Der KI-Konzern legte dafür kolportiertermaßen eine niedrige neunstellige Summe auf den Tisch.

Der kontroverse Datenanalysekonzern Palantir unterhält schon seit 2024 ein quartalsweise erscheinendes Hochglanzmagazin namens The Republic, das Kommentare und Essays zu Technologie, Sicherheitspolitik und internationalen Angelegenheiten im Stil von altehrwürdigen Publikationen wie Foreign Affairs bietet. Die aktuelle Ausgabe widmet sich etwa der Überlegenheit US-amerikanischer Waffensysteme oder den politischen Irrwegen Europas. Weitere Publikationen wie Arena Mag oder die Youtube-Talkshow „Sourcery“ bekräftigen den Eindruck, dass hier vor allem ein sicherer Raum geschaffen wird. Dass Medien und Journalismus die Mächtigen zur Rechenschaft ziehen und unangenehme Fragen stellen, ist in einem Ökosystem, das eben von jenen Mächtigen betrieben wird, nicht mehr vorgesehen.

Michael Moorstedt, sueddeutsche.de, 16.05.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)