Mit dem AI Mode verabschiedet sich Google von der klassischen Suchmaschine. Statt Linklisten liefert die KI nun direkte Antworten – mit weitreichenden Folgen für Datenschutz und Nutzerkontrolle. Der neue AI Mode verändert dabei das Fundament der Informationssuche in zweierlei Hinsicht.
Erstens: Während die AI Overviews die Trefferliste noch ergänzten, ersetzt der AI Mode sie vollständig. Statt einer Auflistung von Links erscheint eine ausformulierte, KI-generierte Antwort, die Inhalte aus verschiedenen Quellen synthetisiert. Nutzer treten direkt in einen Gesprächsmodus mit der Google-KI ein, Folgefragen und Vertiefungen inklusive.
Zweitens: Der Fokus verschiebt sich von der reinen Keyword-Suche hin zur Nutzerabsicht. Der AI Mode analysiert nicht nur, was gesucht wird, sondern auch, warum.
Offiziell begründet Google diesen Schritt mit geänderten Nutzergewohnheiten. Tatsächlich reagiert der Konzern damit auf die von ChatGPT ausgelöste Marktverschiebung: Der Chatbot mit mittlerweile über 800 Millionen wöchentlich aktiven Nutzern hat Google auf seinem ureigenen Terrain herausgefordert: der Suche im Internet. Googles Antwort darauf heißt: AI Mode – und sie markiert den Beginn einer neuen Ära der digitalen Profilbildung.
Zwar verfügte Google auch bisher über erstaunlich detaillierte Nutzerdaten. Aus Suchverläufen, Standortdaten, Mails und Videonutzung lässt sich längst ein aussagekräftiges Verhaltensprofil ableiten. Neu ist im AI Mode jedoch, dass Google nun Zugang zu einer völlig anderen Datenkategorie erhält: der sprachlichen und kognitiven Ausdrucksform des Nutzers. […]
In Kombination mit Daten aus Gmail, Maps, YouTube oder Wallet würde nicht nur ein bloßes Interessenprofil entstehen, sondern eine digitale Charakterbeschreibung, ein psycholinguistisches Abbild der Person. Diese neue Form des Profilings reichte weit über das hinaus, was bisher technisch möglich war.
Carl Christian Müller und Tori Gleisinger, lto.de, 07.11.2025 (online)

