Zitiert: Gegen die Macht eines Leitmediums hilft nur Gegenproduktion

Der Filmpolitiker Kluge wusste aber auch, wann es nicht mehr ging mit dem Kino. Neben dem öffentlich-rechtlichen sollte sich zu Beginn der Achtzigerjahre unter dem CDU-Kanzler Helmut Kohl das Privatfernsehen etablieren. Statt zu schmollen und den unmittelbar bevorstehenden Untergang des Abendlands zu beklagen, wanderte Kluge als Ein-Mann-Guerilla-Unternehmen sofort in dieses neue kommerzielle Fernsehen ein. „Gegen die Macht eines Leitmediums hilft kein Schriftverkehr, dagegen kommt man nicht mit Artikeln, mit Kritik an, sondern nur mit Gegenproduktion.“

Er verbündete sich mit einer japanischen Werbeagentur und reservierte sich damit ein Fenster im Programm von RTL und Sat 1. Nicht ohne Schadenfreude bemerkte er den Dauerärger von RTL-Chef Helmut Thoma über die am Sonntagabend schlagartig abstürzende Quote, wenn „News & Stories“ mit einer an der Kartoffeldruckästhetik der Russischen Revolution orientierten Grafik und einer einschüchternd modernen Musik nichts Gutes, sondern richtige Bildung verhieß. Staatsvertraglich abgesichert gebot Kluge über einen Spielplatz in einem Sender, der das Kulturbedürfnis seines Publikums bereits mit den Europapunkten seiner „Tutti Frutti“-Models abgedeckt glaubte. […]

„Man muss versuchen, das Beste, was es außerhalb des Leitmediums gibt, in das Leitmedium hineinzutragen.“ […]

Die Armut war Programm: „Mit einem 20-Millionen-Euro-Film“, meinte er gut adornitisch, „können Sie kein richtiges Leben im falschen führen.“ Er brauchte das große Budget nicht. Wie seinem Frankfurter Mitschüler Jürgen Habermas ging es ihm um die Überzeugungskraft des besseren Arguments.

Willi Winkler, sueddeutsche.de, 26.03.2026 (online)

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Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)