Medienhäuser, Unternehmen, Behörden und Nutzer wissen um die Macht der Plattformen – bleiben aber dort, weil alle anderen ebenfalls dort sind. Das erinnert an das Gefangenendilemma der Spieltheorie: Jeder würde von einem gemeinsamen Kurswechsel profitieren, doch niemand möchte den ersten Schritt wagen.
Gerade darin liegt vielleicht die wichtigste Erkenntnis dieser Debatte. Die Macht der großen Plattformen beruht nicht allein auf ihren Algorithmen oder ihrer technischen Überlegenheit. Sie entsteht ebenso aus unserem Kommunikationsverhalten.
Andrees Vermessung beschreibt deshalb nicht nur ein technisches Phänomen. Sie zeigt, dass die digitale Öffentlichkeit heute auf erstaunlich wenigen Plattformen stattfindet – obwohl das Internet größer wirkt als je zuvor. Die eigentliche Vielfalt existiert noch immer. Sie findet nur kaum noch Aufmerksamkeit.
Andrej Simon, Telepolis, 27.07.2026 (online)

