Zitiert: Freie Journalisten arbeiten in Deutschland an der Armutsgrenze

Wenn Freelancer in der Armutsfalle stecken, gefährdet das die Qualität der Texte und auf lange Sicht auch die Demokratie. Das muss auch der Leser wissen. […]

Und wie jemand entlohnt wird, steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Qualität seiner Leistung. Ausnahmen bestätigen die Regel. Und da sieht es schlecht aus im Journalismus. Die Branche befindet sich im Sinkflug. Auflagen, Klickzahlen, Werbeerlöse und damit Umsätze vieler Verlage sind rückläufig.

Was zur Folge hat, dass die Verlage auf der Ausgabenseite sparen. Mitarbeiter werden entlassen. Für die Verbliebenen bedeutet das eine Verdichtung des Arbeitspensums. Die Qualität zahlreicher Produkte sinkt, was wiederum noch mehr Kündigungen von Abonnements der enttäuschten Leserschaft nach sich zieht. […]

Der Verband der Freischreiber, der die Interessen von freien Journalisten vertritt, empfiehlt, pro 1000 Zeichen ein Honorar von 100 Euro zu verlangen. Ich kenne kaum ein Haus, bei dem das durchsetzbar ist. Selbst die Hälfte ist dafür nur in Ausnahmefällen und nach harten Verhandlungen zu erreichen. Dies deckt sich mit dem Honorarreport, den der Verband bei einer Befragung unter seinen Mitgliedern ermittelt hat. Demnach beträgt der Stundenlohn für Texte 25 Euro. Bei regionalen Zeitungen sind es nur 17 Euro. […]

Laut der Studie „Worlds of Journalism 3“ verdienen 10 Prozent der Journalisten weniger als 1800 Euro. Obwohl 70 Prozent der Journalisten ein abgeschlossenes Hochschulstudium haben. Im Vergleich zur Studie acht Jahre zuvor, wurde ein Reallohnverlust von elf Prozent festgestellt. 40 Prozent der Freien und 13 Prozent der Festangestellten bessern ihre Einkünfte mit Nebentätigkeiten auf. […]

Vor zehn Jahren waren crossmedial arbeitende Journalisten mit 20 Prozent eine Minderheit, heute sind sie mit 80 Prozent in der Mehrheit. Im Schnitt sind sie für drei verschiedene Ausspielwege zuständig.

Alexander Teske, berliner-zeitung.de, 06.04.2026 (online)

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Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)