Wie Studien in den USA, Deutschland und den Niederlanden aus den Jahren 2023 und 2024 gezeigt haben, rücken Sprachmodelle während ihrer „Zweiterziehung“ per Finetuning nach links: Sie befürworten Klimasteuern, Mietenkontrolle, Abtreibungsrecht, eine höhere Besteuerung der Reichen und die Legalisierung von Marihuana. So ist anzunehmen, dass jene, die dem Modell „ihre Vorstellung davon, wie das Volk sprechen sollte“, vermitteln, sich selbst politisch links verorten.
Diese moralische Ausrichtung der Sprachmodelle mag im Interesse der progressiven Kräfte liegen. Trotzdem stellt sich die Frage, was das für eine auf Kommunikation und Deliberation basierende Gesellschaft bedeutet, wenn ein paar Mitarbeiter eines privatwirtschaftlichen Unternehmens ohne politisches Mandat und gesellschaftliche Debatte ein Kommunikationsmittel manipulieren können, das immer wichtiger für die gesellschaftliche Meinungsbildung wird. Zu fragen ist auch: Was, wenn sich der Wind einmal dreht?
Roberto Simanowski, epd medien, 14.02.2026 (online)

