Geld verdienen zu wollen, ist keine Schande, aber die KI-Branche tut sich besonders darin hervor, „Ethik!“ zu schreien und „Milliarden Dollar“ zu meinen. […] Was bleibt also von KI im Sinne der Menschheit?
Wenn die großen Konzerne als vertrauenswürdige Treuhänder der KI ausfallen, muss es die Gesellschaft selbst übernehmen. Allen voran die freie Forschung. […]
Mit KI können auch chronisch klamme gemeinnützige Vereine ihre Arbeit besser stemmen, von der Logistik in Krisengebieten über die Bürokratie bis hin zur Spendenwerbung. Das erleichtert es kleinen Gruppen, Großes zu bewirken. Am Ende spart es sogar dem Staat Geld, für den sie einspringen.
Generative KI macht die Welt barrierefrei: Komplizierte Texte werden automatisch vereinfacht, zusammengefasst und übersetzt, das bringt Informationen und Bildung zu vielen Menschen, darunter Migranten.
Das muss nicht alles aus Idealismus geschehen: Da die großen Modelle teils austauschbar sind, sind es erst clevere Anpassungen durch andere Firmen, die KI wirklich nutzbar machen. Viele kleine Tüftler setzen auf die großen Modelle auf und machen KI zu ihrem eigenen Ding.
Um diese KI für die Menschheit voranzutreiben, braucht es eine Zusage der Politik, nicht nur nach mehr Investitionen von Big Tech zu gieren. Sie sollten die richtigen Projekte im großen Stil selbst fördern, statt nur Standortpolitik für US-Konzerne zu machen. Und ja, gerne darf die Verwaltung durch KI schneller werden.
Jannis Brühl, sueddeutsche.de, 29.05.2026 (online)

